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„Wahrheit braucht Zeit“ –der Kommunikationskongress 2019

20.09.2019 | KnowledgeAffairs

Die Uhr, nicht die Dampfmaschine ist die maßgebende Maschine für das moderne Industriezeitalter“, so zitiert Prof. Dr. Rüdiger Safranski in seiner Eröffnungskeynote Lewis Mumford. Denn beim diesjährigen Kommunikationskongress in Berlin stand alles unter dem Motto „Zeit“.

Zeit also für HeadlineAffairs, um wieder die neuesten Beraterinnen zum Kongresszentrum am Alexanderplatz zu schicken. Dieses Jahr gleich in dreifacher Ausgabe. Andrea Müller, Lisa Prepsl und Virginia Sutter setzten sich zwei Tage lang in Vorträgen, Workshops, Diskussionen und Exkursionen mit der Kommunikation und den aktuellen Branchentrends auseinander.

Zum Auftakt des Kongresses inspirierte Philosoph und Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Rüdiger Safranski mit seinem Eindruck von Zeit. Vor rund 1.500 Kommunikatoren erklärte er, dass heutzutage „Synchronisationsproblemen“ auftreten, da eine „dramatische Differenz zwischen Wahrnehmungs- und Handlungskreis“ besteht. Geschehnisse werden nicht mehr dort wahrgenommen, wo sie vorkommen, sondern sie verbreiten sich weltweit – und zwar live.

Die Informationen nehmen zu, die Technik beschleunigt, doch die Zeit, die uns zur Verfügung steht, bleibt gleich. So kommt Zeitdruck zustande, der sich auf die Kommunikation und vor allem deren Glaubwürdigkeit auswirkt. Denn „es braucht Zeit für wahrhaftige Kommunikation“, erklärt Prof. Dr. Gesine Schwan. Sie sieht die Entwicklung zu immer schnellerer Kommunikation kritisch und ruft dazu auf, sich unabhängig von Wettbewerb und Stress gemeinsam der Wahrheit zu verpflichten, um der Vertrauenskrise effektiv entgegenzuwirken. In der Kommunikation und in der Politik. „Wir haben nur eine Zukunft, wenn wir den Gedanken der Kooperation und Gemeinschaft wieder aufnehmen“, betont sie in Ihrer Keynote.

Politökonomin Prof. Dr. Maja Göpel sieht Kurzfristigkeit und Naturvergessenheit als Hemmschuh beim „Aufbruch in die Zukunft“, wie sie es nennt. „Die Geschwindigkeit des Wirtschaftens sollte sich an der Geschwindigkeit der Regeneration von Ökosystemen orientieren.“

Was bedeutet das für die Kommunikation?

1) Resonanz

Erfolgreiche Kommunikation braucht Resonanz. Das heißt nach Hartmut Rosa „berühren und berührt werden“ oder mit den Worten von Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und Vorsitzender des Rates der EKD: „Der Unterschied zwischen Verlautbarung und echter Kommunikation ist die Antwort auf die Frage, ob wir Menschen damit berühren.“

2) Kanalkompetenz & Kulturkampf

Kommunikatoren müssen lernen ihr Fachgebiet nicht nur zielgruppengerecht, sondern auch kanalgerecht zu präsentieren. Die Zeiten von „one size fits all“ sind endgültig vorbei. Social Media geht alle im Unternehmen an. Bis hin zu den Vorständen. Ein Kulturkampf, der geführt werden muss.

3) Agilität, flache Hierarchien & Topic Teams

In Workshops und auf Panels sind Experten sich einig: Die Unternehmenskommunikation muss agiler werden. An die Stelle hierarchischer tritt eine thematische Strukturierung. Hapag-Lloyd setzt das im unternehmenseigenen Newsroom mit sogenannten Topic Teams um. Hier kommen unterschiedliche Experten zusammen, die ein Projekt gemeinsam vorantreiben. Zudem verlangen die aktuellen Herausforderungen und der Zeitgeist in den Führungsriegen der Kommunikationsteams eine Entwicklung weg vom Leader und hin zum Coach, weniger Kontrolle und mehr Vertrauen in Unternehmenssprecher.

Was nehmen wir mit?

Neben dem Spaß, der im kleinen Team leicht zu haben war, nehmen wir in unserer Rolle als Kommunikatoren folgendes mit: Zeit ist ein bestimmender Faktor unserer Arbeit, denn Kommunikation lebt oft von Schnelligkeit. Der Schnelligkeit darf jedoch weder die Wahrheit noch die Wahrhaftigkeit zum Opfer fallen.


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