zurück

Gewaltfreie Kommunikation: Sollten wir alle Giraffen sein?

02.07.2024 | KnowledgeAffairs

Das Bild zeigt drei Giraffen die sich recht nah sind und miteinander zu kommunizieren scheinen. Im Hintergrund sieht man einen blauen Himmel mit Wolken

© Pixabay

Als ich mich das erste Mal mit dem Thema Gewaltfreie Kommunikation (GfK) beschäftigte, war ich ehrlich gesagt ziemlich skeptisch. Warum sollte unsere Kommunikation gewaltvoll sein? Schließlich benutzen wir doch Worte und keine Fäuste. Doch je mehr ich mich damit auseinandersetzte, desto klarer wurde mir, dass Worte genauso verletzend sein können wie physische Gewalt. Gewaltfreie Kommunikation zielt darauf ab, genau diese verbalen Verletzungen zu vermeiden und stattdessen eine tiefere, empathische Verbindung zwischen Menschen zu schaffen.

Gewaltfreie Kommunikation, entwickelt von Marshall B. Rosenberg, ist ein Ansatz, der uns hilft, ehrlich und respektvoll zu kommunizieren. Rosenberg nannte diesen Ansatz auch die Giraffensprache, da Giraffen mit ihren langen Hälsen in der Lage seien, alles zu überblicken. Es geht darum, ohne Vorwürfe oder Kritik zu sprechen und gleichzeitig einfühlsam zuzuhören. Klingt einfach, oder? Doch im Alltag fällt es uns oft schwer, ruhig zu bleiben und unsere Bedürfnisse klar zu äußern, besonders wenn die Emotionen hochkochen.

Schauen wir uns mal an, wie gewaltfreie und gewaltvolle Kommunikation in der Praxis aussehen können. In den sozialen Medien sieht man oft, wie schnell Diskussionen in Beleidigungen und verbale Angriffe ausarten. Das ist ein Paradebeispiel für gewaltvolle Kommunikation, die meist mehr schadet als nützt.

Um das Gegenteil zu veranschaulichen, stellen wir uns eine konfliktbeladene Besprechung im Büro vor. Statt laut zu werden oder den anderen persönlich anzugreifen, können wir die vier Schritte der GfK anwenden: 1.) Beobachten, was passiert 2.) Unsere Gefühle ausdrücken 3.) Unsere Bedürfnisse benennen und schließlich 4.) Eine konkrete Bitte äußern. So entsteht eine respektvolle und konstruktive Atmosphäre, in der echte Lösungen gefunden werden können.

Nach meiner Recherche zur Gewaltfreien Kommunikation bin ich überzeugt, dass GfK ein mächtiges Werkzeug sein kann, um die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen, zu verbessern. Klar, es ist kein Allheilmittel, das alle Probleme löst, aber es hilft, Konflikte besser zu managen und Missverständnisse zu minimieren. In einer Welt, in der oft ein rauer Ton herrscht, bietet GfK einen Weg, respektvoll und empathisch miteinander umzugehen – sei es im Job, im persönlichen Umfeld oder in der Gesellschaft insgesamt.

Ich habe mir fest vorgenommen, die Prinzipien der Gewaltfreien Kommunikation in meinem Alltag auszuprobieren. Ob es mich komplett überzeugt, wird sich zeigen. Aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert, wenn es uns allen hilft, ein bisschen friedlicher und verständnisvoller miteinander umzugehen.

Ein Beitrag von unserem Werkstudenten Henry Klindworth


Stories