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Schlagfertigkeit kann man üben – Mark Zuckerberg Anhörung im US-Kongress

11. April 2018

Wenn die Stimmung an der Börse einen Hinweis darauf geben kann, wie sich ein Unternehmen bei einer kritischen Kongressanhörung geschlagen hat – dann hat Mark Zuckerberg seine Aufgabe gestern gut gemacht. Vielleicht sogar sehr gut. Reue und Einsicht zeigen, Besserung geloben und v. a. Taten ankündigen. Kritik antizipieren, vage bleiben bei allzu konkreten Schritten und ansonsten einfache Wiederholungen auf schwierige Frage wie beispielsweise „Wir haben noch nicht genug getan“ oder „Wir arbeiten intensiv an diesem Problem“. Große Vorwürfe nicht pauschal beantworten, sondern erst zu kleinen Problemchen machen und diese dann gezielt bearbeiten: „Ich werde das von meinem Team überprüfen lassen. Wir kommen dann nochmal auf Sie zu.“

Schließlich hier und da zeigen, dass man locker ist, ein Späßchen fürs Publikum – Altkanzler Schröder war stets der Herr „im Raum“ und scheute auch nicht davor zurück die „Stimmung“ seiner Gegenüber und teilweise sogar deren Gesprächslautstärke zu thematisieren „Herr Vorsitzender, bitte sprechen Sie leiser. Das Publikum erschrickt ja bei jeder ihrer Aussagen.“ Wer so guter Laune ist, hat kein schlechtes Gewissen und ist ein Mensch wie du und ich.

Und schließlich: Vertraulichkeit. Schon der Philosoph Ludwig Wittgenstein befand „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“. Auch bei einer Kongressanhörung muss man nicht alles erzählen, was man weiß. Da kritische Nachfragen zudem aufgrund des Proporzes nicht wahrscheinlich sind, kann man sich auf seine erste verbale Verteidigungslinie verlassen, solange die erstmal plausible Argumente liefert.

Sich Vorwürfen öffentlich stellen, kann geldwerter Vorteil sein. Die Börse hat Mark Zuckerberg gestern mit 3 Milliarden Dollar applaudiert. Ein guter Stundensatz. Da kann man auch mal zuvor in ein Interview-Training investieren ... meint Jochen Leufen, www.spokesperson-training.de

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