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Quo vadis Amerika? Ein Zwischenruf

14. June 2018

Ingo Zamperoni, ARD-Moderator und Journalist, und Klaus Brinkbäumer, Chefredakteur des Spiegel, waren im Literaturhaus München auf Promotiontour für ihre frisch gedruckten Amerika-Analysen und wurden vom Redakteur der Süddeutschen Zeitung Stefan Kornelius nach einer Positionsbestimmung des aktuellen Amerikas „unter“ Trump befragt.

Große Einigkeit bestand in der Analyse, dass das Land sich auch ohne den Potus Maximus bereits verändert hat und hierbei „Hassmedien“ aus dem mittleren Amerika eine wichtige Rolle spielten. Während Europa auf New York, Washington, Boston, LA oder San Francisco schaut, verändert sich die Mitte Amerikas dramatisch: Rassismus, Drogenmissbrauch, Hassprediger, Waffenlobby, Modernisierungsverlierer, gezielte Gerüchte und Lügen, Diffamierungen, eine Abkehr von demokratischen Werten und der Suche nach „Wahrheit, Objektivität und Fakten“. Meinung ist alles und Realität wird mittels „sozialer“ Medien künstlich erschaffen. Facebook begräbt die aufgeklärte Gesellschaft. Dem Ego Trump geht es nur um die Deutungshoheit seiner Präsidentschaft. Ideologisch sei er aber glücklicherweise eher unbefleckt. Ein wirklich strategisch agierender, demagogischer Nachfolger bei den Republikanern könnte die wachsende gesellschaftliche Spaltung bis hin zum Bürgerkrieg führen.

Neben allen Risiken gibt es aber auch Hoffnung: Die Demokratie ist stark, die Wirtschaft stabil, die Demokraten, die Medien und die Jugendlichen sind wachsamer geworden. Ingo Zamperoni resümiert: „Meine amerikanischen Freunde gehen jetzt am Wochenende öfter auf Demos als ins Football Stadium.“ Amerika verändert sich. Ergebnis offen. Schlimmstenfalls lautet der nächste Buchtitel: ein Nachruf auf Amerika.

Jochen Leufen

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